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Influencer Marketing – Allheilmittel oder Teufelszeug?

Kaum ein Thema ist derzeit im Bereich der digitalen Unternehmenskommunikation so umstritten wie das Influencer Marketing. Für die einen ist es die Chance, Produkte authentisch und glaubwürdig gegenüber einer passgenauen Zielgruppe zu präsentieren. Für die anderen ist es ein intransparenter Sündenpfuhl, in dem Pseudopromis künstlich ihre Followerzahlen frisieren, um ahnungslose Kommunikationsverantwortliche mit horrenden Honorarforderungen über den Tisch zu ziehen.

Es ist fast langweilig, zu betonen, dass die Wahrheit wie so oft in der Mitte liegt. Letztlich ist Influencer Marketing nichts anderes als eine Testimonialnutzung 2.0. Unternehmen suchen passende Werbegesichter – oder euphemistisch ausgedrückt: Markenbotschafter, die ihr Unternehmen und ihre Produkte repräsentieren.

Durch diesen Vergleich wird klar, worauf Entscheider beim Thema Influencer Marketing achten sollten: Es geht nicht darum, größtmögliche Reichweiten zu erzielen, egal mit wem. Denn Sie würden als Testimonial ja auch nur jemanden akzeptieren, der zu ihrer Marke, ihren Produkten und ihren Zielgruppen passt.   Gehen sie beim Influencer Marketing genauso vor. Es nutzt ihnen nichts, das 350. Produkt auf den Kanälen der Top-Instagramer oder -Youtuber zu sein, die stellenweise plump wie eine digitale Kaffeefahrt wirken und bestenfalls für 14-jährige glaubwürdig sind.

Suchen Sie sich lieber die Mikro-Influencer, deren Zielgruppe sich am besten mit Ihrer eigenen deckt – auch wenn die reine Reichweite Ihren Vorgesetzten vielleicht zunächst enttäuschen wird. Diese Influencer sind bezahlbar, unverbraucht und haben wirklich Einfluss auf ihre Follower. Zudem stehen sie deutlich weniger im Verdacht, ihre Kennzahlen durch gekaufte Likes oder Comment Pods (Influencer verabreden sich, um gegenseitig und weitgehend inhaltsleer ihre jeweiligen Beiträge zu liken und zu kommentieren) zu manipulieren. Und das Beste daran ist: Im Idealfall haben diese Influencer wirklich Lust, mit Ihnen zu arbeiten, weil sie Ihre Marke mögen. So gelingen Influencer-Marketing-Kampagnen, die mehr sind als ein Produkt-in-die-Kamera-Halten.

Entwickeln Sie die Inhalte und auch die Erfolgsmessung gemeinsam, machen Sie klar, was Ihnen wichtig ist und akzeptieren Sie, was dem Influencer wichtig ist. Wenn alles gut gelaufen ist: Bleiben Sie Ihrem Influencer treu. Ein Testimonial würden Sie doch auch nicht wöchentlich wechseln. Nur so kann am Ende glaubwürdiges, authentisches, effizientes und streuverlustfreies Influencer Marketing entstehen.

Unsere Tipps zum Influencer Marketing noch einmal als Checkliste:

  1. Werden Sie sich klar über Ihr Produkt und Ihre Zielgruppe.
  2. Identifizieren Sie mögliche Influencer – nach Übereinstimmung, nicht nach Reichweite.
  3. Checken Sie die gewählten Influencer auf ihre Seriosität .
    (Gibt es Hinweise auf gekaufte Likes/Comment Pods?)
  4. Treten Sie in Kontakt mit den gewählten Influencern – persönlich, nicht nur per Mail.
  5. Finden Sie heraus, ob der Influencer Lust auf Ihre Marke und eine Kooperation hat.
  6. Definieren Sie die Kosten und realistische Kriterien der Erfolgsmessung.
  7. Entwickeln Sie die Ausgestaltung der Kampagne gemeinsam mit dem Influencer.
    (Ein Facebook-Post ist keine Kampagne!)
  8. Bewerten Sie die Kampagne für sich anhand der vorher definierten Kriterien.
  9. Diskutieren Sie die Ergebnisse und Ihre Einschätzung mit dem Influencer.
  10. Ziehen Sie Konsequenzen: Fortführung, Anpassung der Zusammenarbeit oder Beendigung?

 

 

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