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Krisenkommunikationsgipfel 2018: BSK war dabei

Vor einigen Tagen fand in Hamburg der diesjährige Krisenkommunikationsgipfel 2018 statt. Bei der hochkarätig besetzten Veranstaltung kamen Kommunikationsexperten aus ganz Deutschland zusammen, hörten größtenteils sehr interessante Vorträge und diskutierten über Fallbeispiele und aktuelle Entwicklungen im Bereich der Krisenkommunikation. Als Spezialisten für dieses Themenfeld konnten wir uns diesen Kongress natürlich nicht entgehen lassen. Im Folgenden möchten wir auf einige Punkte eingehen, die uns besonders aufgefallen sind:

  1. Twitter wird mehr und mehr zum Standard-Tool im Krisenfall

Twitter wird von Journalisten und Redaktionen in Deutschland intensiv genutzt und ist ohnehin ein interessanter Kanal, um Medienschaffende zu erreichen. Durch die Schnelligkeit des Mediums in Verbindung mit einprägsamen Hashtags, steigert sich das Potenzial des Kanals im Krisenfall noch einmal. Einzelne Referenten der Veranstaltung gingen so weit, dass sie im Krisenfall ausschließlich über Twitter informieren und dort für ausführlichere Informationen lediglich auf die eigene Website verlinken würden. Die klassische Pressemeldung scheint im Fall der Fälle an Bedeutung zu verlieren.

  1. Es fehlt noch immer an Wertschätzung für Kommunikationsprofis

Etwas verwundert haben uns die Äußerungen sowohl der Sprecher der Hamburger Polizei als auch der Frankfurter Feuerwehr, dass in ihren Kommunikationsteams ausschließlich Polizisten bzw. Feuerwehrleute eingesetzt würden – der Glaubwürdigkeit wegen. Nichts gegen die kommunikativen Fähigkeiten der eingesetzten Kräfte, aber wohl kaum einer der anwesenden Kommunikationsexperten würde für sich in Anspruch nehmen, beispielsweise die Ermittlungsarbeit eines Polizeibeamten leisten zu können. Umgekehrt wird dies aber als selbstverständlich hingenommen. Hier braucht es unserer Einschätzung nach ein größeres Selbstbewusstsein und die klare Herausarbeitung der eigenen Kompetenz. Glaubwürdigkeit ist das eine – medienwissenschaftliche Grundlagenausbildung, kommunikative Fähigkeiten, gutes Training und Erfahrung sind aber Eigenschaften, die mindestens genauso wichtig für eine erfolgreiche Kommunikation sind.

  1. Nicht alle Whistleblower werden sich von Hinweisgeber-Tools abhalten lassen

Whistleblower-Tools werden aktuell intensiv diskutiert. Sie sollen „Informanten“ dazu bringen, kritische Informationen vertraulich an spezielle interne oder externe Ansprechpartner weiterzugeben und nicht etwa die Öffentlichkeit/Journalisten zu informieren. Im Rahmen der Podiumsdiskussion wurde aber ein Punkt erwähnt, der zeigt, dass damit nicht jedes Weitertragen brisanter Inhalte verhindert werden kann: Wer seinem Unternehmen oder einzelnen Kollegen aus persönlichen Motiven wie Frustration, Wut, Rachsucht oder sonstigen niederen Beweggründen bewusst schaden will, wird auch weiterhin den Kontakt zur Öffentlichkeit suchen. Hier hilft nur eine offene und kommunikative Unternehmenskultur, die möglichst wenige frustrierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter produziert.

  1. Krisenhandbücher oft zu statisch für die schnelle, digitale Kommunikation

Am Rande und kurz wurde auch über das Thema Krisenhandbücher gesprochen. Einer der Referenten bemerkte in diesem Zusammenhang, dass er überhaupt keine Handbücher mehr einsetze, da die Ereignisse heute so unvorhersehbar wären und im Krisenfall alles derartig schnell gehen müsse, dass das Nachschlagen im Handbuch aus seiner Sicht nicht zweckmäßig sein. Ganz können wir diese Haltung nicht teilen, denn auch heute noch hilft es ungemein, wichtige Informationen schnell griffbereit zu haben und im Rahmen eines „Handbuchs“ vor allem Verantwortlichkeiten klar zu definieren. Richtig ist aber, dass man den Aufbau von Krisenhandbüchern heute überdenken sollte. War es früher ein gedrucktes Standardwerk, das man im Krisenfall aus der Schublade ziehen konnte, um die Schritte nach und nach abzuarbeiten, ist heute eine Überprüfung der jeweiligen Situation zwingend notwendig. Nicht alles, was man sich im Vorfeld gut überlegt hat, ist in jeder individuellen Situation das richtige Vorgehen. Als grundsätzliches Hilfsmittel und zur Definition von Zuständigkeiten ist das Krisenhandbuch sicherlich noch sinnvoll, die jeweilige Strategie im Ernstfall muss dennoch jedes Mal überprüft, angepasst und ggf. überarbeitet werden. Zielführend ist es aber in jedem Fall, auf digitale Tools zu setzen und sich vom Gedanken eines Buchs zu verabschieden. Zum einen können damit die wichtigsten Informationen zentral und elektronisch hinterlegt werden. Zum anderen bieten sie die Möglichkeit, beispielsweise automatisierte Alarmierungsprozesse durchzuführen, so dass alle betreffenden Personen schnell über die Situation im Bilde sind.

 

By | 08.03.2018|Categories: Allgemein|0 Comments

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