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PR in Russland – das sollten Sie wissen

Die Welt ist im Fußball-WM Fieber und Russland ist Gastgeber – Grund genug für uns, einmal dorthin zu blicken und zu schauen, wie PR-Arbeit dort gehandhabt wird.
Die nachfolgenden Einblicke haben wir von der russischen PR-Agentur Gurov & Partners.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich in der russischen PR-Arbeit sehr viel getan. Ursprünglich mit einfachen Presseaussendungen per Fax und Kontakten übers Telefon gestartet, planen russische PR-Experten heute häufig multimedial und digital ausgerichtete Kampagnen. Heute hat sich die PR-Arbeit in Russland weitestgehend internationalen Standards angenähert. Aber immer noch existieren einige Besonderheiten, die man kennen und beachten sollte, wenn man PR in Russland betreiben möchte.

Perfekte Sprachkenntnisse sind unerlässlich
Wichtig für erfolgreiche PR in Russland sind perfekte Kenntnisse der russischen Sprache – mündlich und schriftlich. Beides muss absolut fließend beherrscht werden. Nur so lässt sich Verstrauen und ein gegenseitiges Verständnis aufbauen.

Informelle Beziehungen sind das Salz in der Suppe
In der Kommunikation spielen persönliche Beziehungen stets eine wichtige Rolle. Das gilt ganz besonders in Russland. Unternehmen wetteifern darum, die besten Kontakte zu Journalisten zu unterhalten. Informelle Treffen mit Journalisten in Restaurants oder Clubs, der gemeinsame Besuch von interessanten Events und Sehenswürdigkeiten gehören daher zum Pflichtprogramm eines PR-Verantwortlichen.

Nicht immer freundliche Umgangsformen
Sie werden bei russischen Journalisten, Bloggern, Herausgebern und auch bei Ihren Kunden erleben, dass sie teilweise auf eine sehr harsche Art kommunizieren, was nicht immer höflich und freundlich rüberkommt. Sie sind sehr direkt, mögen keine Ausflüchte, antworten aber häufig auch einfach nicht auf E-Mails oder Anrufe, die ihnen im Moment nicht wichtig erscheinen. Nun, das ist der Umgangston im russischen Geschäftsleben und einfach nicht zu ändern.

Facebook wird für Journalisten-Kontakte genutzt
Anders als in anderen Ländern, wo Facebook eher eine Plattform für die private Kommunikation ist, wird es in Russland häufig für geschäftliche Kontakte genutzt. Journalisten teilen ihre Artikel mit Freunden und Abonnenten, regen so die Diskussion über Themen an und machen auf ihre journalistische Arbeit aufmerksam. Facebook ist in Russland ein guter Ort, um geeignete Ansprechpartner zu finden und Kontakte zu PR-Leuten und Journalisten herzustellen. Einige PRler nutzen den Facebook-Chat sogar, um Redakteure zu Pressekonferenzen einzuladen. So kann der gesamte Einladungsprozess manchmal in weniger als 15 Minuten erledigt werden.

Pressfeed: nützliche Plattform für effektive Pressearbeit
Über www.pressfeed.ru können sich Unternehmensvertreter und Journalisten auf eine sehr einfache Art und Weise Informationen austauschen und miteinander in Kontakt treten. Das funktioniert ähnlich wie bei der englischsprachigen Seite HARO (www.helpareporter.com ).Medien veröffentlichen eine Anfrage für ein Statement zu einem speziellen Thema, geben die Deadline sowie den möglichen Textumfang an. Unternehmen können dann die Bereiche auswählen, wo sie sich als Experten zu äußern möchten und ihre Beiträge über die Plattform einsenden. Das ist eine gute Möglichkeit für neue Medien, sich am Markt Informationen zu beschaffen oder auch für Medien aus der Provinz, die nach einem Statement eines Experten aus Moskau suchen.

TV vs. online Medien
Nur sehr wenige russische Medien beschäftigen sich mit landesweiten Wirtschaftsthemen. Russische Fernsehsender sind sehr politisiert und werden vom Staat streng kontrolliert. Nur der Sender RBC bietet Möglichkeiten einer landesweiten TV-Präsenz, allerdings sind das hier überwiegend bezahlte Beiträge. Lokale Radiosender konzentrieren sich ausschließlich auf Unterhaltung, Musik und die wichtigsten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik. Die Anzahl der landesweiten Printtitel geht ständig zurück, was an der zunehmenden Präsenz der Online-Medien sowie der sinkenden Werbeausgaben in einer wirtschaftlich schwierigen Lage zurückzuführen ist. Alle Printmedien entwickeln daher aktiv eigene Online-Formate. So steigt die Anzahl der News-Portale kontinuierlich. Allerdings kann man die Zahl der wirklich professionell gemachten Seiten an einer Hand abzählen.

Journalisten lieben fertig aufbereitetes Material
Anders als bei den westlichen Medien, tendieren russische Journalisten dazu, fertig aufbereitete Umfragen und Analysen unbearbeitet zu übernehmen. Je sensationeller die Ergebnisse, desto mehr Aufmerksamkeit wird eine solche Umfrage oder Studie erhalten. Ausländische Journalisten fragen üblicherweise nach der Quelle, suchen nach zusätzlichen Informationen oder wollen einzelne Teilnehmer einer Studie befragen. Russische Journalisten wollen normalerweise nichts hinterfragen oder nachrecherchieren, sie nutzen einfach das vorgefertigte Material. Diese Arbeitsweise vereinfacht natürlich die Arbeit der PR-Leute in Russland.

Über gute Taten spricht man nicht
In Russland ist es Tradition, über gute Taten nicht zu sprechen. Deshalb kann man nur sehr schwer Charity-Projekte in die Unternehmens-PR mit einbringen. Wenn über solche Projekte berichtet wird, ist der Tenor häufig kritisch.

By | 22.06.2018|Categories: Allgemein|0 Comments

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