Sie sind hier:»»Pressearbeit in Asien

Pressearbeit in Asien

Wo Google Translate an seine Grenzen stößt: Herausforderungen bei der interkulturellen Kommunikation in den unterschiedlichen asiatischen Ländern

Von Jennifer Dunbar, Managing Director bei unserer Plexus-Partneragentur Dunbar Jones & Associates, Singapur http://www.dunbar-jones.com/

Der wirtschaftliche Aufschwung in Asien hat zahlreiche ausländische Investoren aus Europa und Nordamerika angelockt, die entweder Produktionsstätten in der Region aufbauen oder die eigenen Produkte in den aufstrebenden Märkten verkaufen wollen.

Viele davon sind erfolgreich. Einige jedoch unterschätzen die Komplexität der interkulturellen Kommunikation in Asien. Der größte Fehler ist dabei sicherlich, alle asiatischen Länder als eine Einheit zu sehen, wo überall die gleichen Regeln gelten und wo es reicht, vorhandene Presseinformationen einfach in die jeweilige Landessprache zu übersetzen.

Eine einfache „Plug and Play“-Implementierung einer globalen Kommunikationsstrategie funktioniert hier einfach nicht. Und dabei geht es nicht nur um verschiedene Sprachen und Kulturen. Auch die Medienlandschaften und die journalistischen Gepflogenheiten unterscheiden sich in den einzelnen Ländern deutlich voneinander. Dazu kommen die gesetzlichen Bestimmungen, die es in einigen der Länder zu beachten gilt.

Wenn wir uns die Medien in den einzelnen Ländern ansehen, werden die Unterschiede schnell deutlich. Singapur beispielsweise hat eine kleine und dazu noch stark regulierte Medienlandschaft. Deshalb ist es hier schwieriger als in anderen Ländern, eine Story zu platzieren. Die Medien selektieren die Themen sehr stark und besuchen so gut wie nie Pressekonferenzen (es sei denn, es handelt sich um Themen mit starkem Singapur-Lokalbezug, wie z.B. ein großes Investment, oder eine Ankündigung mit herausragendem, allgemeinem Newswert). Die Journalisten bevorzugen eine persönliche Ansprache mit sorgfältig aufbereiteten Unterlagen, die mit Daten und Fakten hinterlegt sind. Exklusivität wird dabei geschätzt. Interviews werden in der Regel auf Englisch geführt, das gilt auch für chinesische und malaiische Titel. Die meisten Medien sind bilingual und Übersetzungen, außer bei Namen und Fachwörtern, sind meist nicht notwendig.

In Malaysia ist es bedeutend einfacher, eine gute Medienresonanz zu erreichen. Das hängt nicht nur mit der umfangreicheren Medienlandschaft zusammen, sondern auch mit unterschiedlichen journalistischen Gewohnheiten. Generell stehen Medien hier Themenangeboten offener gegenüber, das gilt selbst für „softe“ Geschichten. Alle Materialien müssen ins Chinesische und Malaiische übersetzt werden. Teilweise ist es sogar ratsam, für Interviews mit nicht-englischsprachigen Titeln einen Übersetzer dabei zu haben. Bei einem Presse-Event sollten stets die Besonderheiten der muslimischen Kultur beachten werden. Das gilt für das Essen und Trinken, die Auswahl der Location, den Zeitpunkt des Events (möglichst nicht an einem Freitag) ebenso wie für bestimmte Begrüßungsrituale. Außerdem sollte man beachten, dass malaiische Medien keinerlei Geschenke akzeptieren.

Die Medienszene auf den Philippinen ist viel freier und erfährt weniger Einschränkungen durch den Staat als in anderen asiatischen Ländern. Während in Singapur und Malaysia die Medien eher nüchtern und news-orientiert berichten, sind die Medien auf den Philippinen sehr sensationshungrig und haben eher Boulevardcharakter. Oft werden Werbebudgets genutzt, um Einfluss auf die Themenauswahl zu nehmen. Aber auch in diesem Land findet man eine kleine Gruppe seriöser, glaubwürdiger Medien.

Auch wenn Englisch in weiten Teilen Asiens gesprochen wird, bleibt es doch für die meisten Länder – außer in Singapur –  eine Fremdsprache. Deshalb ist besondere Sensibilität für kulturspezifische verbale und non-verbale Gepflogenheiten gefragt. Generell sind asiatische Medien zurückhaltender und weniger direkt als ihre westlichen Kollegen. Wenige Rückfragen sind also nicht unbedingt ein Zeichen mangelnden Interesses oder Verständnisses. Wenn Journalisten nicht viel auf Englisch kommunizieren, liegt das meist nicht am generellen Sprachverständnis, sondern meist nur am fehlenden Selbstvertrauen, die Sprache aktiv zu nutzen. Sehr häufig werden bei Pressekonferenzen in Asien überhaupt keine Fragen gestellt. Man zieht es vor, seine Fragen in einem persönlichen Gespräch zu adressieren. Deshalb sollten Presseverantwortliche nach einer solchen Veranstaltung stets Zeit für individuelle Gespräche einplanen.

All das zeigt, wie wichtig Verständnis und Wertschätzung der verschiedenen Länderkulturen für eine erfolgreiche Unternehmenskommunikation ist. Nur weil wir in Asien Englisch sprechen, heißt das nicht, dass wir denken und handeln, wie die Menschen aus den westlichen Ländern. Dazu sagen wir in Singapur: „Genau. Genau so, aber anders, lah!“

By | 19.01.2017|Categories: Allgemein|0 Comments

Leave A Comment