Das sollten Sie über die brasilianische Presse wissen

Im Rahmen unserer Reihe „PR in….“ haben wir unsere brasilianische Plexus-Partneragentur Capital Informação aus Sao Paulo gebeten zusammenzufassen, was es beim Kontakt mit den Medien im größten Land Südamerikas zu beachten gilt.

Von Marcela Thyse, International Account Manager bei Capital Informação

 

Wenn Sie mit der brasilianischen Presse zusammenarbeiten wollen, sollten Sie einige Punkte beachten. Aus unserer täglichen Erfahrung im Umgang mit Journalisten hierzulande sind das die wesentlichen Empfehlungen:

1. Journalisten akzeptieren keine Geschenke, nehmen aber gelegentlich Einladungen an.

Auch im Journalismus gelten mittlerweile strenge Compliance-Regeln. Seitdem ist es Pressevertretern u.a. nicht mehr gestattet, hochwertige Geschenke anzunehmen. Falls Sie also ein Hersteller von Mobiltelefonen sind und Sie das neueste Modell gerne einem Journalisten aus dem Technikressort zur Verfügung stellen wollen: Vergessen Sie das! Journalisten akzeptieren keine Geschenke und werden besonders empfindlich, wenn sie das Gefühl haben, man versucht damit die Geschichte zu beeinflussen.

 2. Auch wenn Journalisten eine Einladung annehmen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch über das Event berichten.

Angenommen, Sie laden einen Journalisten zu einer Auslandsreise ein, um ihm dort das technische Entwicklungszentrum Ihres Unternehmens vorzustellen. Nach vier Tagen voller Meetings, Interviews mit verantwortlichen Personen, bei denen er alle möglichen technischen Details nachgefragt hat und nach einem tollen Rahmenprogramm kehrt er nach Hause zurück. Sie haben natürlich größte Erwartungen an eine umfangreiche Berichterstattung – und Ihre Geschäftsleitung natürlich auch. Leider werden Sie häufig enttäuscht und er veröffentlicht kein Wort zu seiner Reise und den Recherchen vor Ort. So ist das in Brasilien: Journalisten nehmen an Reisen, Mittagessen und Firmenbesuchen teil – was aber noch lange nicht heißt, dass sie darüber auch berichten.

3.  Sie werden interviewt, aber die Geschichte erscheint niemals.

So kann es gehen: Ein Vertreter einer großen Mediengruppe fragt nach einem Interview mit dem Unternehmenschef. Obwohl er mit einem großen Stab von Mitarbeitern anrückt, um das Gespräch professionell aufzuzeichnen, wird das Material nie veröffentlicht. Das liegt häufig an begrenzten Sendezeiten oder bei Printmedien am Platzmangel. Häufig verdrängen aktuelle Themen die geplanten und der Redaktionsplan wird einfach umgeworfen. Denken Sie also nicht, dass das Interview schlecht war oder Sie Ihre Zeit verschwendet haben. Häufig ergibt sich hieraus später eine neue Gelegenheit für eine Berichterstattung und der Journalist wird sich dann gerne an Sie erinnern und wieder auf Sie zukommen.

 4. Journalisten lieben Exklusivität.

Bieten Sie einem Journalisten Ihr Material exklusiv an, so steigern Sie damit die Chance erheblich, dass Sie mit Ihrer Geschichte einen Treffer landen. Untermauern Sie dann mit Ihrem Material die Bedeutung und die Glaubwürdigkeit Ihres Themas, erhöht das die Abdruckwahrscheinlichkeit weiter. Aber bieten Sie niemals veralteten Content an. Ihr Material muss aktuell und bedeutsam sein und außerdem zu der Zielgruppe des angesprochenen Mediums passen.

5. Pressekonferenz: Nur bei einem Flugzeugabsturz oder vergleichbaren Nachrichten

Auch in Brasilien leiden die Medien unter Personalknappheit. Die Ressorts sind nur dünn besetzt und Journalisten verlassen nur selten ihre Schreibtische. Es muss schon eine Flugzugkatastrophe, eine Ankündigung des Präsidenten oder die Vorstellung eines neuen Fußballtrainers sein, um Journalisten zum Besuch einer Pressekonferenz zu bewegen. Wenn Sie also ein wichtiges Thema kommunizieren wollen, denken Sie lieber darüber nach, wie Sie einzelnen, wichtigen Medien spezielle Aspekte exklusiv verkaufen, anstatt eine allgemeine Pressekonferenz anzusetzen.

6. Versuchen Sie niemals einem Journalisten zu sagen, was er zu schreiben hat.

„Darüber sollten Sie eine Geschichte bringen!“ Wenn das ein Unternehmensverantwortlicher zu einem Journalisten bei einem Interview sagt, gehen bei diesem die Warnlampe an. Das ist, als würde ein Sohn seinem Vater erzählen, wie gute Eltern sein sollten. Seien Sie also vorsichtig, wie Sie Reporter ansprechen und lassen Sie ihnen stets das Gefühl, sie hätten das Thema selbst ausgewählt. Nur mit einem respektvollen Umgang bauen Sie eine dauerhafte gute Beziehung zu Journalisten auf.

7. Passen Sie immer auf, was Sie sagen.

Brasilianer sind dafür bekannt, sehr freundliche und offene Menschen zu sein. Bis auf wenige Ausnahmen sind Journalisten kontaktfreudig und pflegen enge Verbindungen sowohl mit den Werbeleuten als auch mit der Geschäftsführung. Aber seien Sie vorsichtig mit Ihren Äußerungen – auch bei einem netten Mittagessen oder in einer anderen entspannten Situation: Ein Journalist ist immer im Dienst.

8. Beziehungen sind immer noch sehr wichtig.

Auch in Zeiten von Verhaltensregeln und Compliance-Vorgaben: Es ist immer noch entscheidend, eine gute Beziehung zu einem Journalisten aufzubauen und zu pflegen. Diese Art von Beziehung wächst mit der Zeit durch regelmäßige Kontakte zwischen Unternehmen und Presse und einer gewissen Vertrautheit mit den Themen und Bedürfnissen. Manche Unternehmen haben eine so starke Reputation, dass auch eine Krise sie nicht erschüttern kann. Es lohnt sich also, in das Image Ihres Unternehmens und in vertrauensvollen Beziehungen mit der Presse zu investieren.